26.09.2025

Finance Business Next

Angst vor der Datenmigration von Bestandssystemen?

26.09.2025  | Timo Frank

Eine Vernachlässigung der Datenmigration kann die gesamte Einführung moderner Systeme gefährden. 

Bestandssysteme sind über Jahre im Einsatz ausgereift, haben sich bewährt und bringen alle notwendigen Fachfunktionen für die Standardprozesse mit. Leider wachsen sie sehr oft nicht mit, sind aus Security Aspekten nicht mehr tragbar, skalieren nicht und bieten kaum Möglichkeiten, innovative Funktionalitäten zu integrieren oder neue voll-digitale Prozesse umzusetzen. Hinzu kommt immer öfter, dass die Software-Hersteller – aus guten Gründen – die Weiterentwicklung sogar ganz einstellen. Und nun?

Ausschreibung, Auswahl und dann Einführung eines modernen Systems! 

Meist muss es schnell gehen. Die relevanten Kernprozesse sind schnell identifiziert, ein Fachteam aufgestellt und ein neuer Dienstleister ausgewählt. Dies erfolgt oft, ohne dass dem Dienstleister auch eine Frage zur Migration gestellt wurde. Neben den fachlichen Herausforderungen, die mit der Neueinführung eines Core (Banking / Leasing / Factoring) Systems verbunden sind, landet dann irgendwann auch die Migration der Bestandsdaten als farbiger Balken auf dem Meilensteinplan. 
 

Richtig priorisieren!

Die Migration erfährt selten im Vorfeld eines Projektes die richtige Priorität. Dabei gilt es hier geschäftsrelevante Fragen zu klären, die über den Erfolg des ganzen Projekts entscheiden können. Bei der Systemeinführung für einen Finanzdienstleister spielen u. a. die folgenden Faktoren eine enorme Rolle:

  1. Die bestehenden Finanzierungsverträge müssen über die Systemumstellung hinaus bewirtschaftet werden.
  2. Raten und Zinsen sind fest über die Vertragslaufzeit vereinbart und müssen auch durch das neue System cent-genau abgebildet werden.
  3. Die Geschäftsmodelle sind so vielfältig, wie es Anbieter gibt. 

Daraus ergeben sich als wichtigste Fragen an die Migration: 

  1. Können bestehende Zahlungspläne (u.a. inkl. Zins-, Provisions-, Dienstleistungs-, Subventionszahlungen) ohne Veränderung / Rekalkulation übernommen werden?
  2. Ist (damit) eine reibungslose Weiterbewirtschaftung der Verträge möglich?

Beide Fragen sollten bereits in einer frühen Projektphase oder schon in der Ausschreibung zu einem neuen System geklärt sein. Wird die Datenmigration von Anfang an als wichtiger Erfolgsfaktor betrachtet, kann man der oft vorhandenen Angst wirkungsvoll begegnen.

Bei vielfältigen Projekten bewährt hat sich die Migration auf ein neutrales Zwischenformat. Dieses bildet weder das Ziel noch das Quellsystem in der Datenstruktur ab. Es bezieht sich vielmehr auf die notwendige (Bank-) Fachlichkeit. Diese ist sowohl für Anbieter als auch für den Kunden verständlich.

Verantwortung trennen

Die bekannte Formel "ETL" (Extrahieren - Transformieren - Laden) wird um einen weiteren Schritt erweitert: Extraktion aus dem Quellsystem, Transformation in ein neutrales fachliches Format, Transformation in das Zielformat, Laden in das Zielsystem). Bei Trennung der Migration in diese vier Schritte kann die Verantwortung zwischen Kunde und Lieferant – entsprechend dem Know-how ihrer Unternehmen – eindeutig geteilt werden. Das Projekt wird beschleunigt, Risiko minimiert und Fehlerquellen reduziert.

Die Migration von Altsystemen ist eine große Herausforderung, wird oft durch fachliche Wünsche und Anforderungen überlagert, in späte Projektphasen verdrängt und als ein rein technisches Thema betrachtet. Nimmt man sie frühzeitig ernst, klärt die Anforderungen intern und extern richtig ab und hat die richtige Datenmigrationsstrategie, kann auch dieser Balken im Meilensteinplan mit einer grünen Ampel abgeschlossen werden.

Planen Sie aktuell auf ein neues System zu migrieren? Wir unterstützen Sie gern mit bewährter Expertise und praxiserprobten Methoden. 

Timo Frank