• News
23.03.2026

Interview mit Jaya Lakshmi Rajagopal über Neuanfänge, Qualität und den Willen, den eigenen Weg zu gehen

Der berufliche Neustart in einem neuen Land ist herausfordernd. Jaya Lakshmi Rajagopal erzählt, wie sie ihren Weg von Indien nach Deutschland gefunden hat und warum Qualität für sie echte Teamarbeit ist.

Was bedeutet es, in einem neuen Land beruflich neu zu starten? Wie findet man seinen Platz in einer Branche, die sich ständig verändert und immer noch männlich geprägt ist?

Anlässlich des Weltfrauentags sprechen wir mit Frauen bei NAVAX Software über ihren persönlichen Weg, ihre Erfahrungen und ihre Perspektiven auf die Zukunft.

Im dritten Teil unserer Interviewreihe erzählt Jaya Lakshmi Rajagopal, Test Managerin, wie sie nach ihrem Umzug von Indien nach Deutschland den Einstieg in die IT geschafft hat, warum Testing für sie weit mehr ist als Fehlersuche und weshalb Qualität immer Teamarbeit ist.

Ein Gespräch über Durchhaltevermögen, kontinuierliches Lernen und die Kraft von Vielfalt.

Ein neuer Anfang: von Indien nach Deutschland in die IT

Jaya, du hast deinen beruflichen Weg nicht in Deutschland begonnen. Wie bist du in die IT gekommen?

Ich habe mein Ingenieurstudium im Bereich Elektronik und Kommunikationstechnik in Indien abgeschlossen. Nach meiner Heirat bin ich nach Deutschland gezogen. In dieser Zeit wurde ich Mutter meines ersten Kindes und habe parallel dazu intensiv Deutsch gelernt, um mich sowohl privat als auch beruflich gut zu integrieren.

Durch eine Freundin wurde ich auf den Bereich Software Testing aufmerksam. Das Thema hat mich sofort begeistert, besonders die analytische Herangehensweise und die Möglichkeit, aktiv zur Qualität von Software beizutragen. Ich absolvierte ein Praktikum bei einem Unternehmen in München und konnte danach in eine feste IT-Position einsteigen.

Dieser Schritt war für mich ein wichtiger Meilenstein.

Faszination Testing zwischen Analyse und Verantwortung

Was begeistert dich persönlich an deiner Arbeit in der IT am meisten?

Mich begeistert vor allem die Kombination aus analytischem Denken und kreativer Problemlösung. Im Testing finde ich es spannend, komplexe Systeme zu verstehen, Fehlerquellen zu identifizieren und dadurch aktiv zur Qualitätsverbesserung beizutragen.

Außerdem schätze ich die Dynamik der IT-Branche. Technologien entwickeln sich ständig weiter, sodass man kontinuierlich dazulernt und sich fachlich wie persönlich weiterentwickeln kann. Die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen motivieren mich zusätzlich sehr.

Arbeitskultur: Offenheit als Erfolgsfaktor

Wie würdest du die Arbeitskultur in unserem Unternehmen beschreiben?

Die Arbeitskultur in unserem Unternehmen würde ich als offen, wertschätzend und teamorientiert beschreiben. Es herrscht ein respektvoller Umgang miteinander, und neue Ideen sowie unterschiedliche Perspektiven sind jederzeit willkommen.

Besonders schätze ich die transparente Kommunikation und die gegenseitige Unterstützung. Gleichzeitig wird eigenverantwortliches Arbeiten gefördert. Man bekommt Raum, sich fachlich weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Stolz auf den eigenen Weg

Gab es einen Moment in deiner Karriere, auf den du besonders stolz bist?

Ja, der erfolgreiche Einstieg in die IT-Branche nach meinem Umzug nach Deutschland. 

In einem neuen Land anzufangen, die Sprache zu lernen und meinen beruflichen Weg in einer neuen Umgebung aufzubauen, war sowohl herausfordernd als auch sehr lohnend.

Besonders stolz bin ich darauf, mein Praktikum in München erfolgreich abgeschlossen zu haben und anschließend eine Festanstellung in der IT-Branche zu erhalten. 

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man mit Engagement, kontinuierlichem Lernen und Durchhaltevermögen berufliche Herausforderungen meistern und seine Ziele erreichen kann.

Arbeiten als Frau in der IT

Wie nimmst du die Rolle von Frauen in der IT heute wahr? 

Heute nehme ich die Rolle von Frauen in der IT als zunehmend wichtig und sichtbarer als in der Vergangenheit wahr. Immer mehr Frauen arbeiten in technischen Berufen und bringen unterschiedliche Perspektiven, neue Ideen und wertvolle Fähigkeiten in die Branche ein.

Trotzdem gibt es weiterhin Potenzial, die Geschlechtervielfalt zu stärken. Insgesamt sehe ich die Rolle von Frauen in der IT heute als stark, wachsend und sehr wichtig für innovative und inklusive Technologieteams.

Was hat dir persönlich geholfen, dich fachlich und beruflich weiterzuentwickeln?

Dass ich viele Kurse besucht habe, um fachlich stets auf dem neuesten Stand zu bleiben. 

Darüber hinaus hat mir auch die praktische Erfahrung im Arbeitsalltag geholfen, da ich mein Wissen direkt anwenden und von realen Projektsituationen lernen konnte.

Welche Stärken bringen Frauen deiner Meinung nach besonders häufig in IT-Teams ein?

Viele Frauen bringen meiner Meinung nach häufig besondere Stärken in IT-Teams ein, wie zum Beispiel starke Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Teamorientierung. Diese Fähigkeiten helfen dabei, eine gute Zusammenarbeit im Team zu fördern und unterschiedliche Perspektiven besser zu verstehen.

Außerdem zeichnen sich viele Frauen durch eine hohe Detailgenauigkeit, Organisationstalent und eine strukturierte Arbeitsweise aus, was besonders in Bereichen wie Qualitätssicherung und Testing sehr wertvoll ist. Darüber hinaus bringen sie oft eine gute Problemlösungsmentalität und Durchhaltevermögen in komplexen Projekten mit ein.

Qualität ist Teamarbeit

Was macht aus deiner Sicht gutes Testmanagement aus?

Gutes Testmanagement bedeutet für mich vor allem eine strukturierte Planung, klare Kommunikation und eine frühzeitige Einbindung in den Entwicklungsprozess. Ein gut definiertes Testkonzept, nachvollziehbare Teststrategien sowie die kontinuierliche Überwachung der Testfortschritte und der Qualitätskriterien sind essenziell.

Diese Rolle ist besonders wichtig für IT-Projekte, da sie dazu beiträgt, Fehler frühzeitig zu erkennen, Risiken zu minimieren und die Softwarequalität sicherzustellen. 

Ein gutes Testmanagement unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Fachbereichen und anderen Stakeholdern und sorgt dafür, dass Anforderungen korrekt umgesetzt werden und das Produkt stabil und zuverlässig ausgeliefert werden kann.

Welche Fähigkeiten in deinem Job werden oft unterschätzt?

Geduld und Aufmerksamkeit für Details. Gerade im Testing ist es wichtig, Anforderungen genau zu verstehen und Missverständnisse frühzeitig zu vermeiden, indem man klar und strukturiert kommuniziert.

Ebenso wichtig sind kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeit, eine gute Organisation und die Fähigkeit, konstruktiv Feedback zu geben und anzunehmen. Und Teamarbeit, denn Qualität entsteht nicht isoliert.

Wie stellst du gemeinsam mit Entwicklern, Fachbereichen und Projektleitung Qualität sicher?

Ich arbeite eng und regelmäßig mit Entwicklern, Requirement Engineers und Fachbereichen zusammen. Eine klare und strukturierte Kommunikation sowie ein gemeinsames Verständnis der Anforderungen sind für mich dabei besonders wichtig.

Fehlerberichte, Testergebnisse bespreche direkt mit den Entwicklern. Mit den Requirement Engineers kläre ich Anforderungen, prüfe die technische Umsetzbarkeit und stelle sicher, dass die Testfälle mit den definierten Spezifikationen übereinstimmen. Mit den Fachbereichen sorge ich dafür, dass die geschäftlichen Anforderungen korrekt verstanden, umgesetzt und getestet werden.

Was würdest du jungen Frauen sagen, die überlegen, in einen technischen Beruf einzusteigen, aber sich noch unsicher fühlen?

Wenn ich es schaffen kann, könnt ihr es auch schaffen. 

Der wichtigste Schritt ist, den ersten Schritt zu wagen und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Mit Mut, Durchhaltevermögen und Lernbereitschaft kann man Herausforderungen meistern und seine Ziele erreichen.

Internationale Perspektive, Integration durch Offenheit

Du hast einen internationalen Hintergrund. Was hat dir geholfen, dich in einem neuen Arbeitsumfeld und einer anderen Kultur zurechtzufinden?

Offenheit und Lernbereitschaft. Ich habe mich bewusst darauf konzentriert, die Sprache zu lernen, mich mit der neuen Kultur vertraut zu machen und aktiv auf Kollegen zuzugehen.

Geduld, Anpassungsfähigkeit und die Unterstützung von Freunden, Kollegen und meinem Umfeld haben mir ebenfalls sehr geholfen.

Persönliche Impulse

Gab es eine Person, die dich auf deinem Weg besonders unterstützt oder inspiriert hat?

Meine Familie hat mich immer motiviert, meine Ziele zu verfolgen und neue Herausforderungen anzunehmen, auch nach meinem Umzug in ein neues Land und beim Aufbau meiner Karriere in der IT.

Und eine Freundin, die mich auf den Bereich Software Testing aufmerksam gemacht hat. Durch ihre Unterstützung und ihren Rat konnte ich neue berufliche Möglichkeiten entdecken und meinen Einstieg in die IT-Branche erfolgreich gestalten.

Was würdest du deinem jüngeren Ich am Anfang deiner Karriere raten?

Geduldig mit sich selbst zu sein und sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Lernen und berufliche Entwicklung Zeit brauchen.

Außerdem würde ich empfehlen, offen für neue Möglichkeiten zu sein, kontinuierlich neue Fähigkeiten zu erlernen und sich aktiv weiterzuentwickeln. Netzwerken und von erfahrenen Kollegen zu lernen, hätte ich ebenfalls als sehr wertvoll angesehen. Und vor allem: an sich selbst glauben.

Herausforderungen und Fehler gehören zum Wachstum dazu.

Was bedeutet der Weltfrauentag für dich persönlich?

Der Weltfrauentag bedeutet für mich persönlich Wertschätzung, Gleichberechtigung und Anerkennung der Leistungen von Frauen in allen Bereichen des Lebens. Er erinnert daran, wie wichtig es ist, sich weiterhin für Chancengleichheit, Respekt und Empowerment einzusetzen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass Frauen nicht nur an einem einzigen Tag, sondern jeden Tag gefeiert und wertgeschätzt werden sollten.

Für mich ist dieser Tag zudem eine Gelegenheit, die Erfolge von Frauen zu würdigen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich der Bedeutung von Vielfalt und Gleichstellung für Gesellschaft und Arbeitswelt bewusst zu sein.

Liebe Jaya, vielen Dank für dieses Gespräch!